Aus Trümmern zum Traumhaus

Eine Rezension über das Buch „Offenheit“ von Jaqueline Scheiber

In ihrem autobiografischen Buch „Offenheit“ öffnet Jaqueline Scheiber, auch bekannt unter @Minusgold auf Instagram, die Türen zu ihrem Inneren, beziehungsweise gewährt den Lesenden einen Einblick in einige ihrer “Räume”.

„In meiner realen Welt suche ich vergeblich nach Vorbildern, die aus prekären Lebensverhältnissen kommen und trotz einschneidender Erlebnisse Herausforderungen meistern.“

Jaqueline Scheiber spricht in ihrem Buch sensible und private Themen an. Dabei trifft sie durch ihre bildliche Sprache einen sehr angenehmen Ton, der Verbundenheit sowie Mitgefühl schafft und das Hineinversetzen in ihre Lebensrealität ermöglicht. Schon lange nutzt sie das Internet als Plattform, um sich der Welt mitzuteilen und sich ein Stück weit selbst zu verwirklichen. Womit sie versucht einen Raum zu schaffen, den es so bisher nicht gab. Lange Zeit tat sie das anonym. Inzwischen beschreibt sie sich selbst als “Leuchtreklame”, die mit ihrer Offenheit und ihrem Strahlen dazu beiträgt, Menschen neue Perspektiven der Wahrnehmung zu eröffnen. „Denn zu all den Menschen, die eine Bühne bedienen, braucht es Menschen, in denen Themen nachklingen und die diese weitertragen.“

Nicht jeder Mensch wird sich in ihren Themen wiederfinden und dennoch erreicht Jaqueline Scheiber mit ihrer Art viele tausende Menschen, inklusive mir, die sich daran erfreuen an ihrer Offenheit teilhaben zu können.

„So heilsam der Weg zur Authentizität auch sein kann, so tückisch ist die Last der Bewertung durch andere.“

Vor persönlichen Offenbarungen schreckt die Autorin nicht zurück, im Gegenteil: Sie nutzt ihr Erlebtes, um mit Offenheit und Mut darüber zu schreiben und sprechen.

Sie beschreibt den Prozess des Schreibens als spezielles Ventil, das „zu einer therapeutischen Tätigkeit [wird], die darüber hinaus einen Wert für andere entwickelt.”

Zentrale Inhalte ihres Buches sind ihre Erfahrungen mit Beziehungen, Trauer, Liebe sowie mentale Gesundheit, inklusive ihrer Diagnose der bipolaren Störung. Dabei wird immerzu ihr eigener Standpunkt sowie ihr Engagement im Bereich “mental health” deutlich. Aber eben auch die Entwicklung, die sie durchlebt und wie sie mit der Öffentlichkeit umgeht. 

„Unsere Zimmer haben verschiedene Bedeutungen, manche bekommen nur sehr wenige Menschen zu sehen, und wiederum andere Orte in unserem Heim sind nur für uns allein bestimmt.“

Ein Zuhause schaffen in seinen eigenen Räumen, das ist ein bedeutsames Ziel. Dabei beschreibt Jaqueline Scheiber, wie jeder Mensch ein Haus symbolisiert, welches sich im Laufe des Lebens verändert. Wände werden anders gestrichen, Möbel umgestellt, Räume neu gestaltet oder neue Gegenstände hinzugefügt. Die Haus-Metapher nutzt sie allegorisch in jedem ihrer lesenswerten Kapitel und bettet persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse darin ein. Mir persönlich sagt diese Analogie sehr zu und regt zum Nachdenken über die eigene Hausgestaltung ein.

„Wenn man seinen Platz der Welt nicht findet, muss man einen Trampelpfad eröffnen und stolzen Schrittes voranschreiten.“

Eigene Wege gehen, das hat Jaqueline Scheiber in ihrem Leben gelernt. Aus den Trümmern, die das Leben ihr zeitweise anbot, baut sie ihr Traumhaus bzw. gestaltet es immerzu weiter.

Dieses Buch besteht aus 104 Seiten purer Offenheit, welche mir das Gefühl vermitteln abgeholt zu werden und mit jeder Seite tiefer in das Innenleben der Autorin einzutauchen, sodass ich die Welt kurzzeitig durch ihre Augen zu betrachten scheine. Positiv hervorzuheben ist auch, dass sie, ohne Wertung oder Ratschläge zu erteilen ihre Meinung ausdrückt. Das Buch enthält so viele Anregungen und Erfahrungen, die zum Reflektieren, Mitfühlen und Nachdenken anregen, sodass ich es mehrmals gelesen habe und es immer wieder lesen würde.

Quellen: 

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