An Apple A Day Keeps the Doctor Away… OR Calls For a therapist?

Eine roter Apfel auf gelbem Hintergrund mit der Aufschrift: "Ein Selbstversuch".

Ein Selbstversuch zur Sorbitintolleranz

Mittlerweile haben die meisten schon von Intoleranz gehört. Es gibt Menschen, die zum Beispiel keine Milch trinken, sondern auf Ersatzprodukte wie Sojamilch, Mandelmilch oder lactosefreie Kuhmilch zurückgreifen. Doch was macht eine Intoleranz eigentlich mit dem Körper und ist es wirklich so schlimm an einer solchen psychisch zu leiden?

Hier eine Definition:

„Im Falle der Intoleranz hat der Körper nicht genug von bestimmten Enzymen oder Transportproteinen, um bestimmte Bestandteile der Nahrung, wie beispielsweise Laktose, Fruktose und Histamin abzubauen oder in den Körper aufzunehmen. Die Beschwerden können mit Durchfällen, Bauchschmerzen und Blähungen sehr unangenehm und lebenseinschränkend sein.“ [1]

Doch der Rahmen, in der eine Intoleranz eintreten kann, ist weit gespannt. Es gibt neben der bekannten Lactose-Intoleranz noch viele mehr, wie zum Beispiel Fructose- oder Sorbit-Intoleranz.

Persönlich leide ich unter einer Sorbitintoleranz:

„Sorbit ist ein Zuckeraustauschstoff und wird als Süßungsmittel und Feuchthaltemittel in der Nahrungsmittelindustrie eingesetzt. Als Lebensmittelzusatzstoff mit der E-Nummer »E420« kann Sorbit in beliebig hoher Menge Lebensmitteln zugesetzt werden. Es kann kann aber auch in der Natur vorkommen. […] Liegt eine Unverträglichkeit von Sorbit vor, spricht man von Sorbitintoleranz.“ [2]

Zu meinem Leidwesen ist ihr Bekanntheitsgrad noch sehr gering.

Was ist daran körperlich so schlimm?

Aber nun, da ihr gelesen habt, was eine Intoleranz ist stellt ihr euch sicher die Frage, was denn so schlimm daran sein soll.

Nun ja… Zum einen gibt es körperliche Beschwerden, die für jeden sichtbar sind. Der Bauch wird größer, da sich Gase bilden und er sich aufbläht. Wenn man in so einen Bauch mit dem Finger stechen würde, würde man merken, dass er ziemlich fest ist. Die meisten Betroffenen können ihn nicht weiter ausstrecken, da er schon bis zur Gänze gespannt ist.

Auch kann diese Anomalie Magenkrämpfe, Durchfall, Verstopfungen oder Blähungen hervorrufen. Denn die im Bauch entwickelten Gase müssen wieder irgendwie aus dem Körper gelangen.

Das sind die wichtigsten körperlichen Symptome. Daneben gibt es weitere Auswirkungen, die nicht direkt zu erkennen sind. Weder für Außenstehende noch für die Betroffenen selbst.

Ein Selbstversuch

Denn: Eine Intoleranz kann auch die Psyche belasten. Damit ihr euch das besser vorstellen könnt, werde ich einige meiner Erfahrungen schildern, die bedingt durch Sorbit bei mir im Rahmen eines Selbstversuchs auftraten: Ich aß einen Tag lang hauptsächlich sorbithaltige Produkte. Dazu gehörten unter anderem:

  • Äpfel
  • getrocknetes Obst
  • süßsaure Soßen (mit dazugehörigen Gerichten)
  • Fertigsoßen
  • Kaugummis
  • Zahnpasta

Um es vorweg zu nehmen: Ich hatte noch drei Wochen nach dem eintägigen Selbstversuch körperliche und psychische Beschwerden.

Als Hintergrund muss man wissen, dass ich sehr stark auf den Zuckeraustauschstoff Sorbit reagiere. Ich weiß von anderen Betroffenen, dass sich das bei manchen nicht so stark auswirkt, bei anderen noch heftigere Reaktionen nach sich zieht.

Die Auswirkungen des Selbstversuchs

In den ersten Tagen nach dem Selbstversuch ging es mir noch ziemlich gut. Ich merkte nur allmählich, dass meine Stresstoleranz abnahm und sich mein Bauch gebläht hatte. Am dritten Tag und die Tage darauf nahm ich meinen Körper als extrem schwer wahr und fühlte mich dick und hässlich. Wenn ich in den Spiegel sah, konnte ich nur noch meine Makel erkennen, die mich ansonsten nicht so sehr stören wie nach dem Selbstversuch. Mit den Tagen fühlte ich mich erschöpfter und wertloser.

Auch mein Verhalten gegenüber meiner Umgebung hat sich erkennbar verändert: Ich reagierte schnippischer auf meine Mitmenschen und wollte keine alltäglichen Aufgaben mehr übernehmen, da ich das Gefühl hatte keine Kraft dafür zu haben.

Ich zog mich kaum merklich zurück und versucht das Leben und die reale Welt um mich herum zu ignorieren. Das grundsätzliche Problem war, dass ich in den Tagen selbst nicht merkte was sich veränderte. Denn ich war trotz allem „normal“, die Veränderungen kamen schleichend, summierten sich jedoch mit der Zeit.

Meine Arbeit im Home-Office ließ ich kurzerhand liegen. Ich redete mir ein, dass ich sie nächste Woche nachholen könne. Ich erlaubte mir stattdessen einen Self-Care-Day. Aber: Am nächsten Tag wieder. Und den Tag darauf noch einmal, sodass jeder Tag zum „Self-Care-Day“ wurde, bis schließlich die ersten eineinhalb Wochen vergangen waren.
In der Zeit verfolgte ich ein klares Muster: Ich stand auf, tat nichts und ging wieder ins Bett. Dennoch fühlte ich mich immer geschafft und ausgelaugt.

Außerdem verspürte ich einen starken Drang nach Essen, nach Zucker und sorbithaltigen Nahrungsmitteln. Ich dachte: Wenn ich mehr davon Essen würde, würde auch meine wieder Energie zunehmen. Allerdings würde das nur meinem Körper schaden. Wie man sehen kann: Ein Widerspruch in sich – ich war in einem Teufelskreis gefangen.

Der einzige Lichtblick

Den einzigen Lichtblick, den ich empfand: Ich wusste, dass ich Sorbit gegessen hatte und sich einige – wenn nicht sogar alle – Auswirkungen darauf zurückführen konnte.

Ich erinnere mich jedoch noch an die Tage, an denen ich noch kein starkes Bewusstsein für meine Intoleranz hatte und ich nicht wusste, ob ich diesen logischen Rückschluss ziehen konnte, oder ob das einfach meine schlechten Charakterzüge waren.

Dadurch, dass mein Körper fast gänzlich seine Energie dafür benötigte den störenden Zucker abzubauen, fehlte mir die Energie in anderen Bereichen und ich fühlte mich müde und ermattet. Es fiel mir besonders schwer auch nur einfache Sachen zu erledigen, da ich schnell körperlich erschöpft war. Diese körperliche Erschöpfung breitete sich zu einer geistigen Erschöpfung aus, was in Wut auf mich selber Umschlug und Platz für ungesunde Selbstkritik schaffte. Aus Erfahrung weiß ich, dass sich solche Unsicherheiten und die Erschöpfung sehr stark auf das geistige Wohlbefinden auswirken können.

Ich will nicht behaupten, dass Intoleranzen psychische Krankheiten hervorrufen. Jedoch können sie diese verstärken und Unzufriedenheit mit sich selbst fördern. Dadurch können Situationen entstehen, aus der man alleine nicht mehr herauskommt, obwohl man seine Intoleranz unter Kontrolle bringt.

Wenn sich jemand in diesem Artikel wiederfindet, würde ich ihn oder sie bitten sich weiter über die verschiedenen Formen der Intoleranz schlau zu machen und sich gegebenenfalls auch professionelle (psychische) Hilfe zu suchen.

Weitere Infos zum Thema findet ihr beispielsweise hier:


[1] Medizinische Universität Wien: Was ist der Unterschied zwischen einer Allergie und einer Intoleranz? Online unter www.meduniwien.ac.at/hp/nahrungsmittelallergie/nahrungsmittelallergie/was-ist-der-unterschied-zwischen-einer-allergie-und-einer-intoleranz [26.08.2020).

[2] Portal für Nahrungsmittelunverträglichkeiten (nmi-Portal). Online unter www.nahrungsmittel-intoleranz.com/sorbitintoleranz [26.08.2020].


1 Kommentar zu „An Apple A Day Keeps the Doctor Away… OR Calls For a therapist?“

  1. Sehr guter Beitrag. Und krass, dass Du das Experiment gemacht. Ich hoffe, es geht Dir wieder gut ❤
    Mein Vater hat aehnliche Leiden. Eher in Bezug auf Lactose, aber da hoert es leider nicht auf.
    Du bist ein starker Mensch. Mach weiter so und lass Dich von niemandem klein machen 💪
    “Stur laecheln und winken […].”
    Endlich jmd., der es auch zu wuerdigen weiss, wie cool die sind 😎👍❤

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