Du (bist) fühlst, was du isst? Wie Ernährung die Psyche beeinflussen kann

Ein Teller auf der einen Seite ein Salat auf der anderen eine Pizza.

Schokolade macht glücklich, Pommes heben die Laune, ein Eis und die Sorgen sind vergessen: Nach einer ordentlichen Portion „Soulfood“ fühlen wir uns gleich viel besser. Denn Essen tun wir nicht einfach nur, um satt zu werden: Essen ist auch Belohnung, Stressbewältigung, Genuss oder Trost.

Dass sich unsere Ernährung auf unsere Gesundheit auswirkt, ist für viele wohl nichts Neues. Nicht umsonst existiert die Redensart: „Du bist, was du isst!“ Aber oft ist damit in erster Linie die rein körperliche Gesundheit gemeint. Dass bestimmte Lebensmittel auch maßgeblich auf unsere psychische Verfassung einwirken können – habt ihr darüber schon einmal nachgedacht?

Hippokrates und die Eselsmilch

Tatsächlich war die Parallele zwischen Ernährung und Psyche schon in der Antike bekannt. Der griechische Arzt Hippokrates empfahl beispielsweise das Trinken von Eselsmilch bei Depressionen (keine Ahnung, ob das gewirkt hat). Obwohl man von der Verbindung also schon seit Jahrtausenden weiß, war sie in der modernen Medizin lange Zeit nicht anerkannt. Doch seit einigen Jahren rückt die Ernährung in der Behandlung psychischer Erkrankungen immer mehr in den Fokus. Wie wirkt sich unser Essen auf unsere Psyche aus? Macht eine ungesunde Ernährung unglücklich – und vielleicht sogar depressiv?

Mit diesen Fragen haben sich in den letzten Jahren verschiedene Wissenschaftlerinnen und Ärzte beschäftigt. Und sie gehen dabei unterschiedlichen Aspekten nach: Zunächst betrachten sie die sogenannten Neurotransmitter. Das sind Botenstoffe, die das Gehirn unmittelbar beeinflussen – wie die als „Glückshormone“ bekannten Stoffe Dopamin und Serotonin, deren Ausschüttung zum Beispiel durch Schokolade gefördert werden soll. Dann gibt es noch den Magen-Darm-Trakt, der von einem Geflecht an Nerven durchzogen wird. Diese Nerven senden bei der Verdauung ebenfalls Signale ins Gehirn und direkt in unser Gefühlszentrum. Außerdem reagiert auch unser Immunsystem auf das, was wir essen. Die Verbindung zwischen Ernährung und Psyche ist also komplex und hängt von vielen Stellen in unserem Körper ab.

Wenn Nährstoffe fehlen, schadet das nicht nur dem Körper

Aus diesem Grund wurde sie bereits im Rahmen verschiedener Studien untersucht. Diese haben ergeben, dass gewisse Lebensmittel und Ernährungsgewohnheiten das Risiko für psychische Erkrankungen beeinflussen können: Personen, die sich gesund ernähren – also viel vollwertige und frische Kost wie Obst, Gemüse und Vollkornprodukte essen – sind anscheinend weniger gefährdet, an einer Depression zu erkranken. Stark verarbeitete Lebensmittel, Fastfood und Süßes erhöhen laut dieser Studien hingegen das Risiko. Denn bei einer solchen Ernährung fehlen oft wichtige Nährstoffe, die unser Gehirn benötigt, wie Fettsäuren, Magnesium oder die Vitamine B6, B9 und B12.

Aber auch Käse und Fleisch können sich negativ auf die Psyche auswirken: Wenn Käse reift, wird das Eiweiß unter anderem in den Stoff Histamin umgewandelt, der verdächtigt wird, Angst auszulösen. Fleisch hingegen enthält durch seine oft starke Verarbeitung hohe Mengen an Nitraten. Diese können Mikroorganismen im Darm schädigen und so auch negativ auf bestimmte Hirnregionen einwirken, in denen psychische Erkrankungen entstehen.

Kaum zu glauben, aber das bedeutet: Jede einzelne Mahlzeit hat Auswirkungen auf unser Empfinden. Während manche Effekte nach ein paar Stunden wieder verflogen sind, können andere Essgewohnheiten über Monate oder sogar Jahre beeinflussen, wie wir uns fühlen.

Nie wieder Pizza, Burger, Kekse und Gummibärchen?

Heißt das jetzt: nie wieder Pizza, Burger, Kekse und Gummibärchen? Nein, auf keinen Fall! Zwar ist das „Frust-Essen“ solcher Lebensmittel verpönt. Man kann das Verlangen nach ungesundem Essen aber auch einfach als natürliches Bedürfnis sehen, dem wir ab und an nachgeben dürfen. Denn wenn uns die Tüte Chips oder das Löffeln direkt aus dem Eisbecher in einer seelischen Tiefpunktsituation hilft, unser Wohlbefinden zu verbessern, ist das vollkommen in Ordnung. Nur wenn solche Produkte irgendwann auf dem täglichen Speiseplan stehen, können sie eben auch das Gegenteil bewirken – und nicht nur ein Risiko für unsere körperliche, sondern auch für die psychische Gesundheit darstellen.

Wenn unsere Ernährung also so einen großen Einfluss auf unsere Psyche hat, ist aber nicht nur Frage: Welche Produkte wirken sich negativ aus? Sondern vielmehr: Welche Lebensmittel können bei psychischen Erkrankungen, wie z.B. Depressionen, helfen – oder ihnen sogar entgegenwirken?

Gut für Körper UND Geist: Paprika, Feigen, Nüsse oder Spinat

Die Liste ist lang, denn nicht nur Schokolade kann die Produktion von Neurotransmittern begünstigen, die sich positiv auf unsere Psyche auswirken. Die Ausschüttung von Dopamin wird beispielsweise auch unterstützt durch Bananen, Paprika und Karotten. Bei der Bildung von Serotonin helfen Kartoffel, Feigen, Kürbiskerne und Spinat. Zudem können Omega-3-Fettsäuren die Symptome einer Depression lindern, weil sie ebenfalls die Produktion von dieser Botenstoffe fördern. Viel Omega-3 enthalten zum Beispiel Leinöl, Nüsse und Samen oder Algen. Ein weiterer Neurotransmitter, der Depressionen vorbeugen oder mildern kann, ist Noradrenalin. Die Bausteine für diesen Stoff finden sich zum Beispiel in grünem Gemüse, Äpfeln, Hafer und Ananas.

Ihr seht also: Was gesund für den Körper ist, tut auch der Psyche gut. Vielleicht fühlt ihr euch dadurch ja jetzt motiviert, den Plan von der gesunden Ernährung wirklich mal in die Tat umzusetzen.

Aber Vorsicht!

Das soll nicht heißen, dass Ernährung das Allheilmittel bei psychischen Erkrankungen ist. Zwar können sich bestimmte Lebensmittel positive auf unsere mentale Gesundheit auswirken. Das bedeutet aber leider nicht, dass diese Erkrankungen allein dadurch geheilt werden können. Eine gesunde Ernährung kann man höchstens als gute Ergänzung ansehen – sie ersetzt aber in keinem Fall professionelle Hilfe oder eine Therapie.

Quellen

Fotocredit: Motiv: Teller mit Pizza & Salat ©pixabay

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